Lötstation defekt?

Fragen zu Schaltungen, Elektronik, Elektrik usw.

Moderator: T.Hoffmann

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Achim H
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Fr, 08.10.10, 18:17

Ich habe gerade ein paar Nichia Raijin Superflux (kaltweiß, 25 Lumen) in eine einseitige Platine eingelötet und prompt eine falsch herum drin gehabt. Nachdem ich mit einem Entlötsauger (Lutscher) die Kontakte frei gelegt hatte, wollte ich die Led herausziehen und dann richtig herum wieder einlöten. Das klappte aber irgendwie nicht, wodurch ich gezwungen war, diese Led mit einem Seitenschneider heraus zu schneiden (wieder 79 Cent futsch).

Nachdem ich eine neue Superflux (diesmal richtig herum) einlöten wollte, haben alle Leds einmal kurz aufgeleuchtet und ich bekam eine gewischt. Die Platine war nicht angeschlossen. Die Spannung kann nur über den Lötkolben gekommen sein (elektrostatische Entladung?)

Der Übeltäter: Lötstation ZD-931 von Reichelt.

Muss ich mir jetzt Sorgen machen?


Ich habe die Led trotzdem eingelötet und abschließend die Platine getestet. Alle Leds funktionieren noch.
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markus87
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Fr, 08.10.10, 19:09

Hab auch die selbe Lötstation - nur von Polin. Bei meiner kann ich zumindest die Lötspitze nicht mehr tauschen.
Qualität ist es jedenfalls nicht.

Nimm doch einfach mal ein Multimeter und messe mal ob elektrischer Saft drauf ist. Lecker, Saft! :D
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Beatbuzzer
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Sa, 09.10.10, 09:36

Also das ist schon ein seltsamer Fehler.
Der Lötkolben wird bei solchen Stationen eigentlich mit Niederspannung betrieben, meist 24V. Der Trafo dazu ist in der Station, deshalb ist die auch etwas schwerer.
Selbst wenn also die Heizwicklung Kontakt zum Kolbengehäuse bekommt, können da nur 24V anliegen, die man ja normalerweise nicht spürt. Das Kolbengehäuse könnte aber geerdet sein, wenn die Station einen Schuko-Stecker hat. Dann könnte eine elektrostatische Ladung bei Berührung durch den Kolben nach Erde abgeflossen sein. Die LEDs werden es überlebt haben, weil da ja genau für solche Fälle eine Schutzdiode eingebaut ist.
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Achim H
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Im Nachhinein kann ich noch nicht einmal sagen, ob alle Leds (4 Reihen a 6 Led parallel) oder nur eine Reihe geleuchtet haben. Jede Reihe ist mit Konstantstromquelle (TL317) + Widerstand (25.5 Ohm) versehen und für 24V gedacht.

Definitiv sagen kann ich aber, dass ich eine gewischt bekommen habe. Und da kein Kondensator auf der Platine ist, der sich enladen haben könnte, müss die Spannung über den Kolben gekommen sein. Noch seltsamer ist, dass dieses Phänomeen einmalig aufgetreten ist. Wenn irgendwo ein Kurzer wäre, dann hätte ich mit Sicherheit noch ein weiteres Mal eine gewischt bekommen.

Die Lötstation hat einen Schukostecker.
Ich habe den Kolben durchgemessen, konnte aber nichts Außergewöhnliches feststellen.
Die Verschraubung (Lötkolben an die Lötstation) hat direkten Kontakt zum Schutzleiter, aber das muss so sein.

Noch selsamer ist, dass der Griff der Lötstation isoliert ist. Sollte Spannung an der Lötspitze angelegen haben, dann würden zwar die Leds leuchten (wenn überhaupt), aber ich hätte keine gewischt bekommen. Anders herum das Gleiche. Sollte ich (zum Beispiel durch eine elektrostatsche Entladung) eine gewischt bekommen, dann würden die Leds nicht leuchten, da diese gegen Erde geschützt sind (Potentialausgleich ist mit PE verbunden).

Schon seltsam.
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Beatbuzzer
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Dann hast du (deine Kleidung) sich vielleicht statisch aufgeladen, und über den Lötzinn in der einen und den geerdeten Lötkolben in der anderen Hand hat sich der Stromkreis dann geschlossen und es fand eine Entladung statt.

Wenn der Lötkolben Verbindung zum Schutzleiter hat, und dort keine Spannung anliegt, dann würde ich ihm nicht die Schuld geben.
Bei empfindlichen Bauteilen arbeitet man ja deshalb auch mit so einer ESD-Matte und einem Erdungsband am Handgelenk. Aber welcher Hobby-Bastler hat sowas schon zu Hause. Ich fasse einfach vorher mal kurz den Schutzleiter in der Steckdose an und lege ein Stück ESD-Verpackungsmaterial unter.
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Achim H
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Ich hatte in der Tat das Lötzinn in der linken Hand und mit der rechten Hand habe ich den Lötkolben geführt. Eine elektrostatische Entladung scheint mir somit auch am plausibelsten.

Danke!

mfg Achim
jkunz
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So, 10.10.10, 18:19

Achim H hat geschrieben:Die Verschraubung (Lötkolben an die Lötstation) hat direkten Kontakt zum Schutzleiter, aber das muss so sein.
Das ist bei dem Billigzeug so und besser als nix, aber es sollte so grad nicht sein. Die Lötspitze muss komplett potentialfrei sein. Sie muss darüberhinaus über einen Widerstand von typisch 1 MOhm mit einer Potentialausgleichsbuchse am Stationsgehäuse verbunden sein. Dort steckt man dann ein Kabel zum zentralen Potentialausgleich rein. Dort dran hängen dann auch ESD-Matte und Armband... Manchmal ist die Lötspitze auch schon intern über einen 1 MOhm Widerstand mit dem Schutzleiter verbunden, das ist nicht so flexibel, aber noch OK. Nur wenn die Lötspitze niederohmig am Schutzleiter hängt, wie bei deinem Billigding, werden statische Aufladungen schlagartig abgeführt. Die dabei auftretenden Ströme sorgen zum einen für den von dir erfahrenen "Stromschlag" und wenn der Strom durch ein Bauteil geht typischerweise zum Tod des Bauteils. Der 1 MOhm Widerstand begrenzt den Strom auf ungefährliche Werte und die Potentiale können sich langsam annähern. Aus dem Grund hängt die ESD-Matte auch hochohmig an der Erde.

Zum andern: Wenn du ein ESD-Armband trägst und doch mal mit Netzspannung in Berührung kommst wäre das ein 1A elektrischer Stuhl falls das niederohmig am Schutzleiter hängt. Deshalb findet sich auch dort ein 1 MOhm Widerstand...
johnson
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Mo, 11.10.10, 09:04

Beatbuzzer hat geschrieben:Bei empfindlichen Bauteilen arbeitet man ja deshalb auch mit so einer ESD-Matte und einem Erdungsband am Handgelenk. Aber welcher Hobby-Bastler hat sowas schon zu Hause. Ich fasse einfach vorher mal kurz den Schutzleiter in der Steckdose an und lege ein Stück ESD-Verpackungsmaterial unter.
Ich! Aber nicht weil ich an Elektroniken rumlöte, sondern weil ich gerne und viel an Pc´s rumschraube. Da ist für mich oberstes Gebot sich zu erden. :wink:
Daher würde ich jedem raten der mit Elektronik arbeitet folgende Teile zu nutzen, wenn er denn mag. :mrgreen:
Erdungsbox
Bei der Box sollte man halt noch nen Schokostecker (nur Erde) dran machen, dann kann man sie auch an der Steckdosenleiste anschliesen. :wink:
ESD-Spiral-Ableitkabel
ESD HGB-K10
ESD Tisch-Arbeitsmatte
Das Esd-Material kostet nicht viel und ist definitiv besser als sich über nen Heizkörper und sonstiges zu erden. Davon abgesehen bringt es nicht viel, wenn man sich dann über die Kleidung wieder aufläd.

@Achim: Habe mir mal die Bedienungsanleitung durchgelesen und nichts über ne Erdnung gefunden. Am besten wäre es, wenn du das Teil aufschraubst und nen 1MOhm an die Erde von der Lötspitze (hat ja jkunz schon beschrieben) dazwischen hängst. :wink: Ausser du stehst auf Elektroschocks. :mrgreen: :shock:
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